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Die Rodenstock Gleitsichtgläser |
Gleitsichtgläser stehen heutzutage bereits in der vierten
Generation zur Verfügung. Sie haben sich zur Korrektur der Presbyopie bewährt. Denn sie
bieten gegenüber Zwei- oder Dreistärkengläsern entscheidende optische und kosmetische
Vorteile. Mit Gleitsichtgläsern ist scharfes Sehen in allen Entfernungen kontinuierlich
von der Ferne bis in die Nähe gewährleistet. Im Gesichtsfeld weisen sie keinen
Bildsprung auf. Es gibt keine Trennkante, das Glas fällt nicht als Korrektion für
Alterssichtigkeit" auf.
Produktübersicht:
Drei Produktfamilien für alle Erfordernisse
Für die
unterschiedlichen Anforderungen presbyoper Brillenträger bietet Rodenstock drei Familien
von universellen Gleitsichtgläsern an:
Die modernen Gleitsichtgläser Rodenstock Multigressiv und Rodenstock Progressiv life
sowie das bewährte, klassische Rodenstock Progressiv R. |
| Rodenstock Multigressiv das
Gleitsichtglas der Zukunft Rodenstock Multigressiv bricht mit den
Gesetzmäßigkeiten des herkömmlichen Brillenglasdesigns:
als einziges Gleitsichtglas vereint es hohe optische Leistung für alle
sphärischen und zylindrischen Korrektionen und ansprechende Ästhetik.
Die
herkömmliche Brillenglastechnologie macht Zugeständnisse an die periphere
Abbildungsqualität des Glases, weil aus wirtschaftlichen Gründen nicht für jeden
möglichen Scheitelbrechwert eine eigene Vorderfläche (Basiskurve) gefertigt wird,
sondern jeweils eine Basiskurve einen bestimmten Teilbereich von Sphären, Zylindern und
Prismen abdecken muß.
Also
müssen konventionelle Brillengläser, die im Grenzbereich einer Basiskurve liegen oder
einen Zylinder aufweisen, mit mehr oder weniger großen Zugeständnissen an die peripheren
Abbildungseigenschaften gefertigt werden. Nicht einmal eine Verdoppelung der Anzahl an
Basiskurven kann dieses Problem lösen, denn ein halber Kompromiß ist noch immer ein
Kompromiß.
Mit der
im Hause entwickelten Fertigungstechnik für atorische Rückflächen besitzt Rodenstock
die Möglichkeit, die besten Vorder- und Rückflächen für jede Wirkung individuell
auszuwählen und so die Kompromisse des festen Basiskurvensystems zu umgehen. Der
Brillenträger erhält mit Multigressiv die ersten wirklich maßgeschneiderten"
Brillengläser. Herkömmliche starre Basiskurvensysteme gehören damit der Vergangenheit
an und sind durch ein fein abgestimmtes Vorder- und Rückflächen- System ersetzt, welches
optimale Sehleistung für sphärische und zylindrische Wirkungen ermöglicht.
Die
Berechnung atorischer Rückflächen ist noch vergleichsweise einfach. Die eigentliche
Schwierigkeit liegt in der Fähigkeit, solche doppel-asphärischen Gläser zu fertigen, d.
h. zu schleifen und zu polieren. Der Erfolg von Multigressiv liefert den Beweis für die
konsequente Umsetzung dieser Eigenentwicklung von Rodenstock.
Der
klassische" Ansatz mit einfach zu fertigenden Rückflächen
Es ist
seit langem bekannt, daß die optische Leistung eines Brillenglases nicht nur von der
Qualität nahe der optischen Achse abhängt, sondern auch von den zum Rand hin zunehmenden
Aberrationen. Es ist ebenfalls kein Geheimnis, daß die Aberrationen durch geeignete
Durchbiegung des Glases minimiert werden können. Diese Tatsache wurde schon im 17.
Jahrhundert durch Huygens erkannt. 1898 war Ostwalt der erste, der entdeckte, daß in
einem bestimmten Wirkungsbereich genau zwei Durchbiegungen minimalen Astigmatismus
erzeugen würden.
Tscherning
hat die Bedeutung der Berechnung des peripheren Astigmatismus anhand des Augendrehpunkts
als Fixposition erkannt. Die sogenannte Tscherningsche Ellipse" beschreibt die
sphärischen Flächen für dünne Brillengläser, die minimalen Astigmatismus bei etwa 30
Grad Blickauslenkung erzeugen. |
| Im Verlauf der
Jahre wurde das Wissen über Brillengläser immer weiter entwickelt. Lösungen abweichend
von der von Tscherning wurden vorgeschlagen. Diese Lösungsvorschläge beziehen sich
hauptsächlich auf die relative Gewichtung der jeweiligen Restfehler und auf
unterschiedliche Annahmen bezüglich des Augendrehpunkts, der Anpaßsituation der
Brillengläser und der Objektentfernung. All diese klassischen"
Verbesserungsansätze besitzen jedoch den Nachteil, daß es für eine bestimmte Wirkung
immer nur genau ein Paar sphärischer Flächen gibt, für das die optische Leistung
maximal ist. Damit aber bleiben zwei Probleme beim klassischen" Ansatz
bestehen: Solange erstens jeweils eine
Vorderfläche sei sie sphärisch oder sogar asphärisch für einen ganzen
Wirkungsbereich verwendet wird, sinkt die optische Qualität des Brillenglases
zwangsläufig, wenn der Bestellwert nahe der Bereichsgrenze der jeweiligen Basiskurve
liegt. Dieser Effekt wird in der folgenden Abbildung dargestellt. |
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| Unerwünschter Astigmatismus bei
Einstärkengläsern. Links: sphärische Wirkung. Rechts: astigmatische Wirkung |
| Nehmen wir als
Beispiel ein Brillenglas der Wirkung + 3,00 dpt. Die zur Minimierung des unerwünschten
Astigmatismus ausgewählten Außen- und Innenkurven besitzen Durchbiegungen von +7,50 bzw.
4,53 dpt, die Mittendicke beträgt 4,5 mm, der Durchmesser 70 mm und der
Brechungsindex 1,502. Der hier in der linken Abbildung dargestellte astigmatische Fehler
erreicht an keiner Durchblickstelle einen Wert von 1/8 dpt oder gar darüber. Die mittlere Abbildung zeigt den unerwünschten astigmatischen
Fehler bei einem sphärischen Brillenglas mit der Wirkung von + 4,00 dpt, das aus
derselben Basiskurve wie das Glas + 3,00 dpt gefertigt worden ist. Obwohl der
astigmatische Fehler absolut gesehen noch nicht groß ist, beträgt er mehr als das
Dreifache des links gezeigten Wertes für S = + 3,00 dpt. |
| Zweitens kann bei Vorhandensein
eines Korrektions-Zylinders die verwendete Basiskurve effektiv nur für einen Meridian
gelten bzw. nur eine Kompromißlösung zwischen den optimalen Kurven für den jeweiligen
Meridian darstellen. In der Abbildung ist rechts zu
sehen, daß zusätzlich zu dem bestellten Zylinder ein unerwünschter astigmatischer
Fehler von mehr als 0,5 dpt bereits bei 20 mm (ca. 40 Grad) Blickauslenkung im
horizontalen Hauptschnitt erreicht wird, wenn der Zylinderwert beispielsweise 1,00
dpt bei Achse 0° beträgt.
Das übliche Basiskurvensystem stellt also die optische
Leistungsbegrenzung aller herkömmlichen Brillengläser dar. Dies ist in der nächsten
Abbildung noch einmal auf andere Weise schematisch über den gesamten Wirkungsbereich
dargestellt. |

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| Negative Auswirkungen des
Basiskurvensystems bei konventionellen Brillengläsern: Die optische Leistung hängt zum
Teil sehr stark vom Bestellwert ab. Die Leistung fällt ab, wenn sich die Wirkung der
Grenze der jeweiligen Basiskurve nähert sowie wenndie Zylinderwirkung zunimmt. |
| Die Lösung durch
Rodenstock Multigressiv mit asphärischen oder atorischen Rückflächen Die Asphärizität jeder atorischen Rückfläche, ob für eine
sphärische oder eine zylindrische Korrektion, wird mathematisch exakt für die
progressive Vorderfläche (Basiskurve, Addition, Mittendicke, Dickenreduktionsprisma)
optimiert. Die so erhaltenen Daten für die atorische Fläche werden für die Steuerung
der Werkzeugmaschinen zum Schleifen und Polieren in einer Datenbank gespeichert. Als
Kennzeichen dafür, daß die Art der Asphäre in den 2 Hauptschnitten sich ändern kann,
verwendet Rodenstock den Begriff atorisch". Während bei einer torischen
Fläche die Hauptschnitte kreisförmig sind, sind sie auf der atorischen Fläche eben
nicht kreisförmig, sondern asphärisch. |

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| Beschreibung der atorischen
Rückfläche: Während eine torische Rückfläche nur durch 3 Parameter Sphäre,
Zylinder, Achse beschrieben wird, wird die atorische Fläche durch 25 freie
Designparameter dargestellt. Die Gesamtzahl der verfügbaren freien Parameter der
Rückfläche wird zur Optimierung der Abbildungseigenschaften für die jeweilige Wirkung
benutzt. |
| Werden asphärische und atorische
Rückflächen eingesetzt, erhält man die Möglichkeit, jeweils alle Brillengläser einer
Basiskurve nahezu unabhängig vom Bestellwert mit einer gleichwertigen Leistung
auszustatten. Da die progressive Vorderfläche des Gleitsichtglases in jedem Hauptschnitt
ein unterschiedliches Wirkungsprofil aufweist, muß sich bei zylindrischer Wirkung der
optimale Atorus je nach Orientierung der Zylinderachse ändern und darf nicht einfach
gedreht werden, wie das üblicherweise beim Torus gehandhabt wird. Das atorische
Optimierungs- und Fertigungskonzept von Rodenstock berücksichtigt diese Tatsache. Der
einzusetzende Atorus hängt also von Sphäre, Zylinder und Achse ab. |

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| Konstante Sehfeldgröße bei
Multigressiv: Links: Konventionelles Gleitsichtglas (oben sph +4.0 Add 2.0 dpt, unten sph
+ 4.0 cyl 2.0 A0° Add 2.0). Rechts: Multigressiv (oben sph +4.0 Add 2.0 dpt, unten
sph + 4.0 cyl 2.0 A0° Add 2.0) |
| In obiger Abbildung ist zu
erkennen, daß die optische Leistung bei Rodenstock Multigressiv nicht mehr von der
jeweiligen Basiskurve abhängt, wie dies bei konventionellen Brillengläsern der Fall ist.
Die Sehfeldbereiche beider Rodenstock Multigressiv-Gläser weisen unabhängig von der
Wirkung maximale Größe auf und sehen sehr ähnlich aus. |
| Im nächsten Diagramm wird dieser
große Vorteil von Rodenstock Multigressiv abschließend schematisch dargestellt. |

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| Der negative optische Einfluß des
Basiskurvensystems ist durch den Einsatz der Rückflächenasphäre überwunden. Die
Leistung von Multigressiv ist unabhängig von der jeweilig bestellten Wirkung
optimal für jede Korrektion ohne die Basiskurvenbedingten Einbrüche, die weiter
oben für konventionelle Brillengläser dargestellt sind. |
| Anisometropien
Weil Rodenstock Multigressiv-Gläser unabhängig von
der Wirkung gleich große Sehfelder und damitgleich gute Korrektion auf beiden Augen
bieten, sind sie auch besser für die Korrektion von Anisometropien geeignet als
herkömmliche Brillengläser. (Die zwangsläufig induzierte Hyperphorie ist genauso groß
wie bei herkömmlichen Brillengläsern.) |
| Verringerung
der Bauhöhe In vielen Bereichen stehen
Funktion und Ästhetik in einem Konfliktverhältnis zueinander und erfordern technische
Kompromisse zu Lasten des einen oder des anderen Kriteriums. Bei Brillengläsern mit
atorischer Rückfläche gehen Funktion und Ästhetik glücklicherweise Hand in Hand. Eines
der Ziele der Brillenglasgestaltung von Rodenstock Multigressiv lag in der ästhetischen
Verbesserung bei den am häufigsten verwendeten Materialien mit geringerem Brechungsindex.
Deshalb ist Rodenstock Multigressiv Perfalit 1.5 bis zu 1,5 dpt flacher als Rodenstock
Progressiv life. Dies ist der Grund für die deutliche Bauhöhenverringerung, die in
vielen Fällen bis zu 20 % beträgt.
In der folgenden Abbildung sind die Bauhöhenunterschiede
von Rodenstock Multigressiv 1.5 und Rodenstock Progressiv life 1.5 zu sehen.
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| Bis zu 20% Bauhöheneinsparung von
Rodenstock Multigressiv gegenüber Rodenstock Progressiv life (Perfalit 1.5) |
Entnommen: "Technische
Brillenglas-Informationen" mit freundlicher Genehmigung der Firma Rodenstock,
München |