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Titan |
Wissenswertes.
Titan, der Werkstoff der Luft- und Raumfahrttechnik, konnte erst Ende der 40er Jahre
industriell hergestellt werden, obwohl das Metall in seiner unreinen Form bereits mehr als
100 Jahre zuvor bekannt war. Das zunächst eher exotische Metall mit strategischer
Bedeutung findet zunehmende Anwendung in der Medizintechnik (Implantate), bei
Gebrauchsgütern und verstärkt auch bei Brillenfassungen.
Merkmale.
Titan wiegt 4,5 g/cm3, ist also ungefähr halb so schwer wie z.B. Edelstahl, kann aber in
Legierungen stahlähnliche Festigkeit erreichen. Blankes Titan bildet mit Sauerstoff
spontan extreme stabile Oxide (entreißt sogar Wasser den Sauerstoff). Die sich
ausbildende sehr dünne Oxidschicht (Passivschicht) verleiht Titan und seinen Legierungen
eine extreme Korrosionsbeständigkeit. Titan nimmt beim Glühen begierig Gase wie
Stickstoff oder Wasserstoff aus der Luft auf. Diese werden in das Kristallgitter des
Werkstoffs eingebaut und führen zu Versprödung: Bruchgefahr. Beim Löten und sonstigen
Glühbehandlungen muß deshalb im Hochvakuum gearbeitet oder die Luft mit Argon verdrängt
werden. Titan neigt leider auch dazu, mit fast allen Metallen spröde Verbindungen zu
bilden: Bruchgefahr! Hohes Know-how bei der Legierungsherstellung und der Einsatz von
Spezialloten (eutektisches TiCuNi-Lot) sind daher unverzichtbar. Bei Reibung von Titan auf
Titan kommt es sehr leicht zu Verschweißungen im Mikrobereich: Gefahr des
Kaltverschweißens. Auch Spezialschmiermittel können hohen Werkzeugverschleiß nicht
verhindern. Beschichtungen im Vakuum oder eine aufwendige Galvanikbehandlung sind für die
Erzeugung haftfester nickelfreier Beschichtungen unerläßlich.
Allergierelevanz.
Titan gilt als biokompatibler Werkstoff (Implantate) und verursacht keine
allergischen Reaktionen oder Sensibilisierung. Titanfassungen sind besonders dann
angebracht, wenn z.B. bereits eine Nickelsensibilisierung vorliegt. Das zur
Verbindungstechnik erforderliche Titanbasislot enthält zwar einen geringen Nickelanteil,
dieser ist jedoch in der Legierung gebunden. Test entsprechend der
Bedarfsgegenständeverordnung gibt keine Indikation auf Freisetzung von Nickelionen. Eine
Beilagescheibe aus Neusilber vermindert die Reibung im Scharnier und verhindert
Kaltverschweißungen. Diese Scheibe wird mit einer Edelmetallauflage versehen, außerdem
ist die Position gesichtsfern, ohne Kontaktmöglichkeit mit der Haut.
Brillenfassungen allgemein.
Reintitan wird eingesetzt für komplette Fassungen oder Bauteile mit mittlerem
bis größerem Querschnitt.
Hinweis zum Sprachgebrauch.
Titan P entspricht entgegen einer weitverbreiteten Meinung nicht Rein-Titan oder
Titan-Pur. Es handelt sich vielmehr um Titangrundmaterial mit ca. 30µm dicker
Nickelschicht, die eine kostengünstigere Fassungsherstellung analog zu konventionellen
Werkstoffen erlaubt. Titan-P wird daher oft für Niedrigpreisfassungen verwendet, um
titanspezifische Fertigungserschwernisse billig zu umgehen. Zudem werden aus
Kostengründen oder wegen fehlendem Know-how oft ganze Baugruppen aus konventionellen
Werkstoffen zusammen mit Titan-P verwendet.
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Anwendung bei Rodenstock.
Rodenstock verwendet für komplizierte Prägeteile und bei weniger hohen Anforderungen an
die Flexibilität ausschließlich Reintitan Grade 1 oder Grade 2, ansonsten Beta-Titan.
Aus funktionalen Gründen sind Schrauben, Reibscheiben, Schieberelemente/Federn bei
Federscharnieren und Lote nicht aus Titan.
Anmerkung.
Der Vorteil der Nickelfreiheit und der extrem hohen Korrosionsbeständigkeit des
Titan Grundmaterials wird von manchen Herstellern oft dadurch ad absurdum geführt, daß
nickelhaltige Schichtsysteme aufgebracht werden. Bei Rodenstock Titanfassungen bestehen
die dekorativen Beschichtungen aus Edelmetall und enthalten kein Nickel. Auch werden sie
direkt, d.h. ohne Nickelzwischenschicht, auf das Titan Grundmaterial aufgebracht.
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Entnommen: "R-Online Demo CD" mit
freundlicher Genehmigung der Firma Rodenstock, München
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